Verbuchungsschnittstelle
Die vorangehenden Teile des Standards beschreiben, wie Daten transportiert werden: als Barcode auf dem Medium, als Titelsatz auf einem Datenträger. Dieser Teil beschreibt etwas anderes – wie ein Gerät im laufenden Betrieb mit der Bibliothekssoftware spricht: Ein Leser legt sein Buch auf den Selbstverbucher, das Gerät fragt bei der Bibliothekssoftware nach, und die Software bucht aus.
Wer spricht mit wem#
Die Schnittstelle kennt genau zwei Rollen:
| Rolle | Wer das ist | Was sie tut |
|---|---|---|
| Gerät | Selbstverbucher, Rückgabeautomat, Kassenautomat, Sicherungsgate, Kontoterminal | stellt Anfragen |
| Bibliothekssystem | die Bibliothekssoftware bzw. deren Schnittstellendienst | beantwortet sie |
Das Gerät fragt, das Bibliothekssystem antwortet – nie umgekehrt. Jede Anfrage erhält genau eine Antwort. Das Bibliothekssystem hält keine Sitzung über mehrere Anfragen hinweg vor: Jede Anfrage enthält alles, was zu ihrer Beantwortung nötig ist.
Verhältnis zu SIP2#
Diese Schnittstelle ist kein eigenes Protokoll. Sie ist ein Anwendungsprofil des Standard Interchange Protocol Version 2.00 (SIP2), das 3M 1997 veröffentlicht und zur freien Verwendung in Hard- und Softwareprodukten freigegeben hat. Nahezu jedes Selbstbedienungsgerät auf dem Markt spricht SIP2; wer sich an dieses Profil hält, ist damit anschlussfähig.
Der Standard legt drei Dinge fest, die SIP2 offen lässt:
- welche der 16 Kommandopaare ein Gerät bzw. ein Bibliothekssystem beherrschen muss und welche freigestellt sind,
- wie die im SBC-Standard üblichen Kennungen – Barcodezahl, Zugangsnummer, Transponder-UID – in den Feldern des Protokolls transportiert werden,
- welche Zusatzangaben über den in SIP2 ausdrücklich vorgesehenen Erweiterungsraum ausgetauscht werden.
Ein Standard, der steht#
SIP2 stammt aus dem Jahr 1997; die letzte Fassung der Beschreibung trägt das Datum 11. April 2006. Fortgeschrieben wird das Protokoll nicht mehr – die Pflege liegt heute bei einem Ausschuss der amerikanischen Normungsorganisation NISO (externe Seite), die mit NCIP (externe Seite) (ANSI/NISO Z39.83) längst einen umfangreicheren Nachfolger vorgelegt hat.
Für die Büchereipraxis ist das kein Nachteil, sondern der eigentliche Vorzug: Ein Standard, der sich nicht mehr bewegt, hält Geräte und Software über Jahre hinweg zusammen. Die Geräte am Markt sprechen SIP2.
Aufbau dieses Teils#
- Der Nachrichtenaufbau beschreibt den Rahmen: wie eine Nachricht aussieht, wie Felder abgegrenzt werden, wie Prüfsumme und Sequenznummer gebildet werden und über welche Verbindung das Ganze läuft.
- Die Kommandos sind das Herzstück: 16 Paare aus Anfrage und Antwort, jedes mit sämtlichen Feldern.
- Die Feldübersicht listet alle Feldkennungen alphabetisch – zum Nachschlagen beim Lesen eines Mitschnitts.
- Die Erweiterungen fassen zusammen, was über SIP2 hinausgeht, und begründen jede einzelne.
Was nicht festgelegt wird#
Der Standard beschreibt den Datenaustausch – nicht das Gerät und nicht die Bibliothekssoftware. Er sagt nichts darüber, wie ein Selbstverbucher aussieht, welche Bildschirmmasken er zeigt, wie er RFID-Etiketten liest oder welche Sicherungstechnik er ansteuert. Er sagt auch nichts über Gebührenordnungen, Ausleihfristen oder Mahnstufen: Das sind Regeln der Bücherei, die allein das Bibliothekssystem kennt und anwendet.